Als viertes Kind und zweiter überlebender Sohn von Heinrich I. von Braunschweig-Lüneburg („der Mittlere“), der als ein energischer und ehrgeiziger Fürst bekannt werden soll und in zahlreichen politische Konflikte verstrickt sein wird und MargaErete von Sachsen, einer Prinzessin aus der ernestinischen Linie des Hauses Wettin und Tochter von Kurfürst Ernst von Sachsen und Elisabeth von Bayern. Ernst wuchs mit mehreren Geschwistern auf: seinen älteren Geschwistern Anna, Elisabeth und Otto sowie den jüngeren Geschwistern Apollonia, Anna II. und Franz. Das Haus, in das er hineingeboren wurde, das Haus Braunschweig-Lüneburg (Welfenhaus), gehört zu den ältesten Dynastien Europas. Den Ursprung hat es im 9. Jahrhundert mit den Grafen von Altdorf. Ernsts Linie ist die Celler Linie der Welfen, aus der später die hannoverschen Herzöge und Könige Großbritanniens hervorgingen (u. a. George I.). Durch seine Mutter Margarete war Ernst auch mit dem sächsischen Haus Wettin verwandt, das die Kurfürsten von Sachsen stellte.
Seine frühen Jahre verbrachte Ernst zwischen den Residenzen Uelzen, Lüneburg und Celle. Von seiner Mutter übernahm er Glauben und Pflichtgefühl, von seinem Vater politisches Denken und militärische Disziplin. Er erhielt die für einen Fürstensohn typische Ausbildung in Sprachen, Theologie, Geschichte und höfischer Verwaltung. Schon früh galt er als still, ernsthaft und wissbegierig.
Während Ernst erwachsen wurde, verdunkelte sich das politische Klima um seine Familie. Sein Vater Heinrich geriet zunehmend in Konflikt mit Kaiser Karl V., einem Herrscher, der halb Europa in seiner Hand hielt – König von Spanien, Herzog der Niederlande, römisch-deutscher Kaiser und eng verwoben mit den großen Dynastien seiner Zeit. Als Heinrich sich 1519 im Ringen um die Kaiserwürde auf die Seite des französischen Königs Franz I. stellte, traf er eine Entscheidung, die Karl als offenen Verrat deutete. Die Reichsacht folgte, und Heinrich musste das Land verlassen.
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Inmitten dieser Unruhe begann Ernst 1512 sein Studium in Wittenberg, begleitet von seinem Bruder Otto und unter dem Schutz ihres Onkels, Kurfürst Friedrich des Weisen. Wittenberg wurde für Ernst mehr als nur ein Studienort: Er begegnete dort den Köpfen, die die Reformation formten – Luther, Melanchthon und besonders Georg Spalatin, der für Ernst zu einem wichtigen Mentor wurde. Die Jahre an der Universität prägten seinen Glauben und sein Pflichtbewusstsein so tief, dass sie später das Fundament seiner politischen Entscheidungen bildeten. Als sein Vater ins Exil musste, standen Otto und Ernst plötzlich in der Verantwortung. Gemeinsam übernahmen sie in Celle ein Fürstentum, das verschuldet, politisch angeschlagen und religiös zerrissen war. Trotz ihres unterschiedlichen Temperaments – Otto war vorsichtiger, Ernst visionärer – traten sie geschlossen auf und arbeiteten daran, Ordnung und Vertrauen wiederherzustellen.
Doch die religiösen Spannungen im Reich ließen sich nicht aus dem Land heraushalten. Um 1524 erreichten Luthers Schriften auch Lüneburg deutlicher. Ernst, durch seine Wittenberger Jahre geprägt, förderte reformorientierte Prediger, während Otto zwar skeptisch, aber nicht blockierend reagierte. In den Städten des Fürstentums begannen die ersten Geistlichen offen evangelisch zu predigen, und Konflikte mit katholischen Priestern blieben nicht aus. Ernst setzte auf öffentliche Disputationen, denn er wollte Veränderung, aber keine Gewalt.
Die Unruhe im Reich erreichte schließlich auch Lüneburg, als 1525 der Bauernkrieg ausbrach. Ernst zeigte Verständnis für die sozialen Nöte der Bauern, doch er stellte sich entschieden gegen Gewalt und suchte Vermittlung. Seine Haltung führte dazu, dass er sich noch deutlicher zu den Lehren Luthers bekannte und öffentlich für die Reformation eintrat.
Mit dieser Klarheit schloss er sich 1526 dem Torgauer Bund an, dem ersten Schutzbündnis evangelischer Fürsten. Die politische Partnerschaft stärkte seine Position, und als sich Otto im Jahr darauf aus der gemeinsamen Regierung zurückzog und nach Harburg ging, lag die Verantwortung nun vollständig bei Ernst. Der Kontakt nach Wittenberg riss nie ab:
Bei einer Hochzeit in Torgau begegnete er Luther persönlich, und kurz darauf ließ er ein Artikelbuch für eine kirchliche Neuordnung verfassen.
Der Aufbau einer stabilen Herrschaft ging Hand in Hand mit dynastischen Verbindungen. Durch seine Ehe mit Sophie von Mecklenburg-Schwerin festigte er seine Stellung im Norden. Für sie ließ er Schloss Gifhorn errichten, das als Repräsentationsort und späterer Witwensitz diente. Die Reformation im Land setzte er entschlossen fort – unter anderem, indem er das Franziskanerkloster in Celle schließen ließ, nachdem die Mönche an der alten Lehre festgehalten hatten. Der Tod seiner Mutter am Ende desselben Jahres traf ihn persönlich, stärkte jedoch gleichzeitig seine Bindung an das mecklenburgische Fürstenhaus durch seine Ehe.
Seine politische Linie blieb klar: Ernst unterzeichnete den Protest gegen das Wormser Edikt, unterstützte auf dem Reichstag 1530 die lutherische Bekenntnisschrift und berief Urbanus Rhegius, um eine einheitliche Kirchenordnung einzuführen. Während er das Fürstentum neu strukturierte, wuchs seine Familie. Sein erster Sohn, Franz Otto, sicherte die Erbfolge. Weitere Kinder folgten, einige starben jung, andere knüpften durch ihre Ehen bedeutende politische Verbindungen im Reich.
Als sein Vater 1532 im Kloster Wienhausen starb, endete ein langer Konflikt innerhalb der Familie. Ernst führte das Land weiterhin allein – fast zwanzig Jahre lang. Die Reformation wurde unter ihm nicht nur eingeführt, sondern fest verwurzelt. Seine Herrschaft blieb von tiefer Ernsthaftigkeit geprägt, von Fürsorge für sein Land und von dem Wunsch, Glauben und Politik in eine stabile Ordnung zu bringen.
Sein Tod im Jahr 1546 schloss ein Leben, das zwischen Tradition und Aufbruch stand. In der Celler Fürstengruft fand er seinen Platz neben Sophie, die bei der Geburt ihres letzten Kindes gestorben war. Die Ehen seiner Kinder stärkten in den folgenden Jahrzehnten die Stellung des welfischen Hauses weiter – weit über seine eigene Regierungszeit hinaus.
Zum Nachlesen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_I._(Braunschweig-Lüneburg)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Braunschweig-Lüneburg)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_von_Sachsen_(1469–1528)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_V._(HRR)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Wettin
- https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._(Sachsen)
- Titelbild fotografiert in der St.-Marien-Kirche Uelzen von Aminou-Tyrell Horn


